どぶちゃん Dobu-chan
2025
Installation with video on TV (12min 37 sec), a photograph printed on flag fabric (9 m × 3 m), five drawings by my mother (0.6 m × 1.2 m), a bench going through the grass, six garments made of silk paper, six garments belonging to my mother and me inherited from my grandmother, and a letter
Jetzt versuche ich, darüber zu schreiben, dass man Leuten nicht begegnen muss, um sie zu treffen. Dass der Großteil von Beziehung – anders als Begegnung – nicht in gemeinsamen Räumen, sondern im Alleinsein danach stattfindet, wenn man die Stimme einer Person weitersummt und ihre Eigenheiten im Kopf aufribbelt bis Fäden fassbar werden. Aber während ich das schreibe, merke ich, dass es unaufrichtig und schlimm ist, das ohne dein Dazutun zu tun. Ich möchte mich keinem erdrückenden Trauernarrativ hingeben, das mich mir selbst nicht mehr zutrauen lässt, auszudrücken, dass ich das Leben auch ohne dich, ohne Einschnitte weiterführen kann und dass ich dich vielleicht nicht vermisse. Trotzdem tut es weh, und ich muss mir eingestehen, dass Begegnung – anders als Beziehung – nicht als Konstrukt, sondern als unkontrollierbares Aufeinandertreffen von Überzeugungen, Emotionen und Erfahrungen notwendig ist. Sie kann Befindlichkeiten wie Langeweile, Genervtheit, Wut, Schmerz oder Schmetterlinge im Bauch hervorbringen. Ich bin mir sicher, dass du bleibst, auch wenn du gehst. Du fehlst mir nur dumpf. Trotzdem wünsche ich mir, ich würde dir begegnen und mir von dir widersprechen lassen.
- Lisa Nachtmans